Wenn einer ein Geheimnis hat, dann kann er das erzählen.

Nach längerer Zeit melde ich mich wieder mit einem Beitrag zum aktuellem Karneval der Rollenspielblogs: Verkleiden, Lügen, Täuschen, zurück.

Es geht um Spielercharaktere, die Geheimnisse vor anderen Spielercharakteren haben. Das ist erst einmal nichts Schlechtes, sondern ganz im Gegenteil,   sogar  ziemlich spitze. Das macht den SC interessanter und bietet, im optimal Fall, eine Menge Plothooks.

Ein Problem, meiner Meinung nach, tritt sehr schnell dann auf, wenn das Geheimnis, auch für die Spieler ein Geheimnis ist. Warum mag nun fragen, denn  zunächst scheint ja ein weiteres Geheimnis Spannung, Spiel und Spaß zu verheißen. Um es kurz zu machen, es ist ziemlich unpraktikabel, das Ergebnis ist oft deutlich langweiliger oder zumindest unspannender, als erhofft und dieser Weg verbaut einem, eine andere, meiner Meinung nach sehr viel spaßbringendere, Art mit SC-Geheimnissen umzugehen.

Was ist daran unpraktikabel? Es stört den Spielverlauf, wenn der Spieler des Geheimnisträgers mit dem Spielleiter interagieren muss, entweder, weil die beiden verschwinden, während der Rest der Gruppe dumm rum sitzt und sich selbst bespaßen muss. Oder weil zwischen dem SL und dem Spieler eine Zettelwirtschaft am laufen ist, welche die weiteren Mitspieler ebenfalls meist schnell zum Däumchen drehen verdammt, da komplexere Abläufe nur schwer per Zettelchen abzuwickeln sind. Vor die Tür gehen wird dann oft dennoch zur letzten Lösung. Wirkliches „Spiel“ ist für den Rest der Gruppe dann fast unmöglich, Kleinigkeiten können eventuell erledigt werden und Gespräche ausgespielt werden, aber nichts von allzu großer Relevanz, den schließlich fehlen zwei Mitspieler am Tisch oder sind abgelenkt, darunter der Spielleiter. (Nur als Einschub: Es geht hier nicht um Spotlight. Spotlight, darf und soll jeder Spieler haben. Aber ein wichtiger Unterschied ist, daß man an Spotlightszenen anderer Spieler beteiligt ist und sei es nur als Zuschauer und Genießer, wenn aber der SL und ein anderer Mitspieler verschwinden, dann findet, für den Rest der Gruppe, praktisch kein Spiel mehr statt.)

Warum ist es oft unspannender, als man im ersten Augenblick denkt? Das ist natürlich ein heikler Punkt, schließlich ist die Wahrnehmung, was spannend ist und was nicht höchst subjektiv.  Zudem soll das Geheimnis eines SCs ja auch meist der Bereicherung des Spiels dienen und der entsprechende Spieler, möchte ja eher Spannung zum Spiel beitragen. (Das gilt natürlich auch ähnlich, für die beiden anderen Punkte, aber ich denke man hört lieber: „deine Idee ist toll aber leider unpraktikabel“ oder: „deine Idee ist toll und ich weiß einen, meiner Meinung nach, spannenderen Weg, sie um zusetzten“, als „Deine Idee ist leider unspannend“). Trotzdem, hier meine höchst subjektive Meinung dazu: Meist eiert man  den Abend hindurch oder gar, im Falle einer Kampagne, durch einige Abende um das Geheimnis herum. DASS es ein Geheimnis gibt ist eh allen klar und was das für eins es ist, wissen die meisten Spieler auch recht bald, dann kommt die Auflösung, die meistens nur noch daraus besteht, daß ein wenig Couleur aufgetragen wird, denn wie gesagt im Großen und Ganzem , war eh jedem klar worum es ging.

Und nun weißt du Schlaumeier, eine  bessere Lösung? Na, klar. Also zumindest eine meiner Meinung nach schönere: Erzählt euch als Spieler, die Geheimnisse eurer SCs. Geheimnisse, die weder ihr als Spieler, noch euer Charakter kennen und die es zu ergründen gilt, gibt es sicher in eurer Runde und Welt mehr als genug. Teilt ihr euch aber die Geheimnisse eurer Charaktere mit, dann könnt ihr nicht nur gelassener und flüssiger spielen, da ihr die  unter den obigen Punkten aufgeführten Probleme vermiedet. – Nein, ihr könnt euch auch an den Szenen um den Geheimniskrämer und sein Geheimnis erfreuen, vielleicht sogar auf der Metaebene oder als NSC-Darsteller teilhaben, wenn ihr zu den Gruppen gehört, bei denen der SL auch mal NSCs an Spieler übergibt, deren SC nicht an der Szene beteiligt sind und/oder Metagame gern gesehen ist. Hinzu kommt, daß ihr auch wesentlich einfacher miteinander mit dem Geheimnis spielen könnte. Von spannenden Szenen, in denen „es knapp war“ bis hin zu dem Moment, in dem das Geheimnis auch für die Charaktere gelüftet wird es euch recht einfach sein, aufeinander abgestimmt coole, dramatische, tragische usw. usf. Szenen miteinander zu spielen.

Ist das der Weisheit letzter Schluss? Nein, natürlich nicht. Es spiegelt nur meine Meinung und Erfahrungen im Umgang und Spiel mit SC-Geheimnissen wieder. Wenn es bei euch anders läuft und allen Spaß macht, dann ist das prima. Ausnahmen von dem oben genannten, habe ich auch schon selbst erlebt; es gibt Systeme und Szenarien, die durchaus auch nicht nur so funktionieren, sondern davon Leben. Aber im Großen und Ganzen, halte ich die vorgeschlagen Spielart für eine Bereicherung.

Gruß Sylandryl

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2 Antworten zu “Wenn einer ein Geheimnis hat, dann kann er das erzählen.

  1. Ich habe auch das Gefühl, das solche „GUCKT MAL, ICH HABE EINE GEHEIMNIS“-Spieler es durchaus oft auf Spotlight abgesehen haben, denn dieses Vorgehen stellt sie ihn den Mittelpunkt ohne dem Spiel einen nennenswerten Mehrwert zu bieten (außer, das ist wirklich ein zentrales Element des Spielstils der ganzen Gruppe, aber macht das _wirklich_ Spaß?).

  2. Pingback: Dieser Maskenball ist vorbei | Das herzliche Rollenspielblog

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